Was ich in der Schwangerschaft gelernt habe

Hello, hello!

Ich komme in zwei Tagen in die 36. Schwangerschaftswoche und nehme mir jetzt einmal heraus, zu sagen, dass ich es mir erlauben kann, über Erfahrungen in der Schwangerschaft zu sprechen, da sie ja bald vorüber ist.

Ich kann es kaum erwarten, meine kleine Tochter kennen zu lernen und freue mich riesig darüber, ein Kind zu bekommen. Und dennoch war für mich die Schwangerschaft alles andere, als ein Genuss.


Angefangen mit Übelkeit, Kreislaufzusammenbrüchen, über Scheidenpilze, Blutungen, zwei Krankenhausaufenthalte, Eiweiß im Urin (Thema Schwangerschaftsvergiftung), schließlich bis hin zur insulinpflichtigen Schwangerschaftsdiabetes. Es war wirklich alles dabei.

Und auch, wenn das Dinge sind, die wirklich anstrengend waren, fand ich es viel intensiver, wieviel sich im eigenen Kopf und in den Köpfen anderer ändert.


Eine Schwangerschaft, vor allem die erste, ist für eine Frau eine wirklich aufregende Erfahrung. Manche haben Glück & es verläuft alles easy peasy, manche haben Pech und es trifft sie noch schlimmer, als mich. Manchen macht der große Bauch nichts aus, manche kommen damit nicht klar.

Nicht nur jede Frau ist unterschiedlich, sondern auch jede Schwangerschaft.

Und während die einen total entspannt die letzte Zeit ohne Kind genießen, wollen die anderen das kleine Wesen einfach nur auf der Erde wissen, damit sie sich endlich entspannen können.





Ich möchte euch heute darüber berichten, was ich alles aus meiner Schwangerschaft mitgenommen habe, denn ich zähle mich eher so zu denen, die sich mehr über das Kind freuen (auch, wenn sie noch keine Ahnung hat, wie es ist, nur zwei Stunden in der Nacht zu schlafen), als dass sie die Schwangerschaft genießen.


Zunächst ein paar Erfahrungen bezüglich nur nett gemeinter Ratschläge von anderen


1. Jeder will dir sagen, wie es am besten ist

Versteht mich nicht falsch - ich nehme sehr gerne Tipps entgegen. Aber was mich von Anfang an gestört hat, ist, dass dir auf einmal jeder ungefragt sein Halbwissen entgegenbringt und meint, dass er wüsste, was für dich am besten zu sein scheint.

Was ich daraus gelernt habe, ist folgendes: Das wird mit der Geburt deines Kindes wahrscheinlich nicht besser. Dann geht es nur darum, ob du dein Kind stillst oder nicht, ob Stoffwindeln - ja oder nein - und so weiter.

Das einzige, was dir übrig bleibt, ist selbstbewusst zu bleiben und zu sagen "ich weiß schon was ich tue".


2. "Früher haben die Frauen das auch schon so und so gemacht"

Ja, früher war aber auch die Kindersterblichkeit höher und früher ist nicht heute.

Der Spruch ist ja manchmal sogar nur nett gemeint, aber es bringt mir nichts, in der Vergangenheit zu leben.

Lieber bin ich vorsichtig und halte mich an moderne & aktuelle medizinische Vorgaben, als mich unwohl zu fühlen.

Was ich daraus gelernt habe: Es ist nie verkehrt, sich auf sein Bauchgefühl und den Rat seines Arztes und seiner Hebamme zu verlassen. Aber auch, wenn es sich einfach nicht richtig anfühlt, dann ist es okay, die ganze Sache anders zu sehen, als die ganzen Frauen um einen herum, die schon zehn Kinder bekommen haben.


3. "Du bist schwanger und nicht krank"

Wenn ich darüber schon nachdenke, bekomme ich das Kotzen. Nein, wir sind nicht krank - das bedeutet nicht, dass man sich nicht total krank fühlt (vor allem in den ersten Wochen) und dadurch in seinem Alltag unheimlich eingeschränkt ist.

Was ich gelernt habe: Setz noch einen drauf und ruhe dich extra viel aus. Du darfst es dir erlauben. Wenn dir irgendjemand so entgegnet, dann brich wenn möglich den Kontakt ab, bis die Person sich entschuldigt.


Nun ein paar allgemeinere Dinge


1. Du musst Entscheidungen treffen, die möglicherweise dem ein oder anderen nicht gefallen werden

Ich bekomme, solange Corona so aussieht, wie jetzt, kein zweites Kind. Das habe ich mir geschworen. Wie viele Diskussionen bezüglich der Pandemie ich wegen meiner Schwangerschaft hatte, ist einfach nicht auszuhalten gewesen. Sei es, wenn es um das Thema Impfung oder Kontaktbeschränkungen ging.

Egal was es war, Menschen konnten Entscheidungen nicht akzeptieren, die ich zugunsten meines Babys getroffen hatte.

Ich wurde in der Schwangerschaft zwei mal gegen Corona geimpft.

Die erste Impfung war sozusagen meine zweite Impfung. In diesem Monat wurde ich schwanger. Dann im November habe ich mich boostern lassen und trotz Nebenwirkungen habe ich für mich entschieden, dass es die richtige Entscheidung war. Meinem Baby geht's auch gut.


Aber was Kontaktbeschränkungen anging, war ich sehr pingelig. Ich wusste einfach, dass man sich den Kram trotz der Impfung einfangen konnte und darauf hatte ich einfach keinen Bock. Ich hatte schon zu viel am Arsch, da brauch(t)e ich das nicht auch noch. Also entschied ich mich dazu, solange die Zahlen sehr hoch waren, niemanden mehr zu treffen und wenn, dann nur mit Maske.


Ich wurde als Angsthase betitelt und meine Entscheidungen wurden oft nicht respektiert oder verstanden.

Aber ich wollte mein Baby auch nicht verlieren, also musste ich lernen, dass es Entscheidungen geben würde, die anderen einfach nicht gefallen würden und möglicherweise auch zu Diskussion und Streit führen könnten - und damit würde ich leben müssen.


Was ich daraus lernte, war, dass es nie verkehrt ist, Entscheidungen zum Schutz des eigenen Kindes zu treffen, auch wenn andere dich als übertrieben darstellen oder sich über dich aufregen. Nur du hast die erste direkte Verantwortung als Elter für deinen Nachwuchs und wenn du dich für die Sicherheit deines Kindes entscheidest, sollen die anderen sich halt aufregen.


2. Akzeptanz und Vertrauen retten dir deine Nerven

In den ersten zwölf Wochen plagten mich die Angstgefühle. Ich war richtig paranoid, wollte alles richtig machen, hatte Angst, rohes Fleisch auch nur anzugucken und machte mir Vorwürfe, wenn ich meinem Baby irgendwie potenziell schadete, weil ich mich nicht richtig informierte.

Aber auch die generelle Angst, dass Natur sich einfach gegen mich entscheiden würde, war andauernd da.

Auch jetzt habe ich noch viele Ängste.

Was ich jedoch gelernt habe, ist, dass mir nichts anderes übrig geblieben ist, als das zu tun, was in meiner Macht steht und den Rest einfach meinem Körper zu überlassen (und dem Schicksal).

Schwangerschaftsdiabetes? Kacke, ja. Aber ich konnte mich einfach nur dem Fakt hingeben und mein bestes tun, dass ich meiner Tochter nicht schade.


3. Nimm dir die Ruhe und mach langsam - es ist okay!

Das ist so ein großes Thema, dass ich einen ganzen Beitrag dazu verfasst habe.

Die Schwangerschaft hat mich mehr oder weniger dazu gezwungen, mal einen Gang runter zu schalten und damit klar zu kommen, dass das okay ist.

Ich hatte (und habe) ein total schlechtes Gewissen gegenüber meinem Mann, der auf einmal alles im Haushalt machen musste und dachte mir, ich sei einfach nur eine faule Sau.

Aber Leute, wie gesagt, es gab zwei Krankenhausaufenthalte aufgrund dessen, dass ich einfach random ohnmächtig geworden bin - weil ich mich überschätzt habe.

Dann bleibt halt mal was liegen und andere müssen dich eben mal mehr unterstützen. In dir findet gerade etwas statt, was wahrscheinlich die meiste Energie benötigt, die irgendein Prozess im Körper benötigen kann.


4. Dein Bauchgefühl ist dein bester Freund

In einer Schwangerschaft möchte man das wertvollste, was man besitzt, schützen. Und ganz oft zwickt es an Stellen, wo es noch nie gezwickt hat. Oder man muss sich auf einmal entscheiden zwischen: Die Tablette gegen Fieber nehmen, weil das Fieber schädlicher ist für das Baby oder die Tablette nicht nehmen, weil diese schädlicher ist, als das Fieber.

Vielleicht fällt man auch, macht sich Gedanken, ob der Sex dem Kind geschadet haben könnte oder man sieht auf einmal, dass der Fisch, den man sich gebraten hat, gar nicht richtig durch war.


Wie oft habe ich mich gefragt, ob ich jetzt meinen Arzt anrufe oder sogar ins Krankenhaus fahre. Als ich Blutungen bekommen hatte (Kontaktblutungen), bekam ich mega die Panik und mein Mann und ich fuhren ins Krankenhaus. Am Ende war alles gut, aber ich bin froh, dass ich zu diesem Zeitpunkt auf mein Bauchgefühl gehört habe und nicht versuchte, mich mit logischem Verstand zu beruhigen. Ja, sowas gibt's.

Kommt dir etwas spanisch vor, dann handle so, wie es sich für dich richtig anfühlt.

Zwickt es komisch, dann hör auf dein Bauchgefühl. Fühlt es sich nicht richtig an, Sex zu haben, dann lass es.

Du gibst dir schon selbst die Signale, die du brauchst.


5. Es ist in Ordnung, seine Schwangerschaft nicht zu genießen

Von einer Schwangeren wird erwartet, dass sie unglaublich magisch durch die Gegend schwebt und sich jeden Tag über das Wunder, das in ihr existiert zu freuen. Und ja, ich freue mich jeden Tag über mein Kind. Aber ich freue mich mehr darüber, es bald in den Armen zu halten, als über das Sodbrennen, die Rückenschmerzen, dass ich keine Mettbrötchen essen darf und mir ne Insulinspritze in den Speck jagen muss.


Es ist okay, die ganze Sache nicht so entspannt und magisch zu finden, wie es von einem erwartet wird.

Was ich gelernt habe: Das bedeutet nicht, dass du undankbarer bist oder dein Kind weniger liebst. Du genießt nur einfach nicht die Phase, die so anstrengend für einen Menschen sein kann.


6. Um die Zeit danach kannst du dich noch in aller Ruhe danach kümmern - mach dich nicht verrückt

Mit der Zeit danach meine ich nicht die Erstausstattung, um die du dich am besten im zweiten Trimester kümmern solltest (meiste Energie und so...).

Damit meine ich, dass du dir über bestimmte Dinge erst Sorgen machen brauchst, wenn der kleine Schatz dann da ist. In welchen Kindergarten soll mein Kind gehen? Wie wird mein Hund mit meinem Baby zurecht kommen (das kann man vorher eh nicht wissen)? Möchte ich Stoffwindeln verwenden? Was, wenn meine Nachbarn die Kleine wecken? Wird mein Baby vom Bellen meines Hundes wach?

Das sind alles Dinge, die du nicht vorausschauen kannst. Du kannst dir nur einen kleinen Kopf darum machen und dich freuen, wenn alles so läuft, wie erhofft.


7. Fang früh an, zu kaufen, damit du dich gut organisieren und informieren kannst

Thema Erstausstattung: Ich habe mich am Anfang immer zurück gehalten, etwas für die Kleine zu kaufen, weil ich mir dachte "ach, hast ja noch Zeit". Nun, am Ende war ich überfordert, weil ich meine Liste von oben nach unten auf einmal abhaken musste und dann auch alles auf einmal gewaschen habe, die Möbel noch aufgestellt habe und währenddessen noch damit klarkommen musste, dass ich von Diabetologe zu Ernährungsberaterin zum nächsten Diabetologen renne.

Fang langsam an und arbeite dich hoch. Es ist okay, Dinge früh zu kaufen, da du froh sein wirst, wenn du sie einfach schon hast.


8. Du wirst zwar Mutter, aber deine Identität ändert sich dadurch nicht

Für mich war es sehr schwer, damit zurecht zu kommen, dass sich meine Identität jetzt erst einmal ändern würde (obwohl sie das nicht tat - es kam nur eine Eigenschaft hinzu). Ich dachte daran, dass ich eventuell Freunde verlieren könnte, weil ich nicht mehr mit zum Feiern ging. Oder dass mich Freunde nun für langweilig halten würden.

Dazu kam noch, dass ich mir dann natürlich neue Klamotten zulegen musste und mir manchmal darin nicht gefiel.

Ich habe gelernt, dass Mutter sein (oder Mutter werden) nur ein kleiner Teil dessen ist, was einen als Menschen ausmacht. Es ist ein Extra. Es bestimmt nicht deinen gesamten Wert oder Charakter. Es ist eine Aufgabe, eine Eigenschaft, eine Beschäftigung.


9. Hilfe annehmen ist gut

Gerade am Anfang haben mir meine Eltern sehr oft unter die Arme gegriffen - genauso wie mein Mann.

Meine Eltern kamen zum Streichen, zum Putzen, haben mir Essen mitgebracht.

Es kann schwer sein, Hilfe zu beanspruchen und auch anzunehmen - aber würdest du nicht das gleiche auch für dein Kind machen, wenn es diese Hilfe bräuchte?

In meinem letzten Post habe ich darüber geschrieben, wie wichtig es ist, Wert auf Beziehungen zu legen und diese zu vertiefen und zu pflegen und dass wir diese Eigenschaft in unserer Generation oft vernachlässigen.

Ich musste erst lernen, dass es gerade diese Taten der Leute sind, die für immer bleiben und die man einfach wertschätzen sollte, anstatt sie abzulehnen.

10. Seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen ist auch gut

Zu guter Letzt: Nein, wir müssen uns nicht dafür schämen, zickiger oder gereizter zu sein und bei Push The Button (kein Scherz) anzufangen zu heulen. Es ist auch vollkommen normal, einfach mal zwischendurch zu heulen, weil es sich gerade danach anfühlt.

Wir sind schwanger, mein Gott. Da spielt halt alles verrückt.

Ich habe gelernt, diese Emotionen dann einfach zuzulassen - dann ging es mir meistens besser. Und meinem Mann habe ich gesagt, er soll sich bitte ein wenig zurück halten, wenn wir uns streiten, weil ich nicht in der Lage dazu sein würde.


Nun. Da habt ihr alles. Ich hoffe, ich konnte der ein oder anderen vielleicht sogar mit meinen Worten helfen. Mir hat es immer geholfen, die Erfahrungen von anderen zu hören.

Ich wünsche allen Schwangeren da draußen eine schöne Schwangerschaft und lasst euch nicht unterkriegen.



FEATURED IMAGE: Foto von lucas mendes von Pexels

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