So machst du eine Beziehung zu einer Partnerschaft

Hello, hello!

Seit fünf Jahren sind mein Mann und ich nun ein Paar und wir erwarten im März auch unser erstes Kind. Sind wir immer sanft durch die Wolken geschwebt und ist alles so gelaufen, wie wir es uns vorgestellt haben? Ganz im Gegenteil. Klar, wir stehen jetzt an einem Punkt, an dem wir sagen können, dass es so ist, wie wir es uns erhofft haben: Verheiratet, in einer schönen Wohnung, Kind im Anmarsch und ja, ich kann auch mit vollster Überzeugung sagen, dass ich in meinen Mann immer noch verknallt bin.


Ganz ehrlich? Wir mussten aber erst einmal richtig zusammen wachsen.

Durch Kommunikationsfehler, viele Streits, Eifersucht, Trennungsängste und Co. kämpften wir uns durch bis zu diesem Punkt. Und auch, wenn noch immer nicht alles perfekt funktioniert, haben wir gelernt, Partner zu sein - und genau darum soll es heute gehen.


Disclaimer: Ich beziehe mich hier auf nicht toxische Beziehungen. Toxisches Verhalten in einer Beziehung sollte nicht damit gelöst werden, nicht sauer zu sein und immer nur Schritte auf den anderen zu zu gehen.


Verliere ich dadurch nicht die Liebe und vielleicht sogar das Interesse?


Würde ich nicht sagen. Ich denke, man kann verrückt nacheinander und trotzdem auch Partner sein.

Eine Partnerschaft bedeutet für mich einfach, dass man gelernt hat, wie man mit dem anderen im besten Sinne kooperieren kann, wie man füreinander da ist, dass man geeignet auf den anderen reagiert, zusammen hält, durch dick und dünn geht, gemeinsame Lösungen findet und sich aufeinander verlassen kann - egal, was kommt.


Dass egal welches Problem erscheinen kann und man jemanden hat, über den man sagt "Mit dem bekomm' ich das schon hin".


Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass es nur noch besser und intensiver wird, umso mehr man Partner ist.





Kommunikation! Ja, ich weiß, man kann es nicht mehr hören...

Aber ich meine es ernst. Früher haben René und ich so gut wie gar nicht über Probleme geredet, bis es dann zum Streit kam und alles auf den Tisch gepackt wurde.

Heute ist es eher so: Ich rege mich innerlich auf, versuche, nicht durchzudrehen, sage René dann Bescheid, dass ich abends mit ihm über etwas sprechen muss und dann reden wir ganz in Ruhe darüber. Wir sind beide gechillt, zicken vielleicht ein bisschen, aber die Sachen werden geändert oder ausdiskutiert.

Natürlich klappt das nicht zu hundert Prozent der Zeit, aber ich würde sagen, so zu neunzig Prozent.


Überwinde dich, deinem Partner mitzuteilen, dass du ein Problem hast und bringe es sachlich zu Wort. Versuche, auf Vorwürfe zu vermeiden, sondern sag lieber, wie du dich unter den Umständen fühlst.

Hake nach, ob dein Partner verstehen kann, dass du dich so fühlst und frag nach, wenn er es nicht verstehen kann, warum das der Fall ist.

Betone wie wichtig dir etwas ist. Sei zugänglich. Sei nicht einfach nur wütend.


Fördere deinen Partner in dem, was er tut


Unterstütze ihn, mach ihm Mut! Als ich plante, mein Abitur nachzuholen, sagte mein Mann zu mir "Natürlich machst du das! Wir bekommen das schon zusammen hin. Die Finanzen sollen nicht das Problem sein! Tu was für deine Zukunft!". In den gesamten drei Jahren machte er mir nicht einmal ein schlechtes Gewissen, weil ich nur ein paar hundert Euro monatlich an Bafög mitbrachte oder dass er sich hinten anstellte, was Fortbildungsgelegenheiten angeht.

Und genauso ist es jetzt, weil ich vorhabe, mit Kind im Oktober anzufangen, zu studieren.

Durch Kommunikation haben wir einen gemeinsamen Nenner finden können.


Aber diese Förderung kann auch so aussehen, dass du dir etwas durchliest, was dein Partner geschrieben hat. Oder bei seinem Fußballspiel dabei bist. Oder ihn nicht davon aufhältst, sich mit seinen Freunden zu treffen.


In einer Partnerschaft bekommt man auch etwas zurück. Ich kann mich immer darauf verlassen, dass mein Mann nie etwas sagen würde, wenn ich abends mit Freundinnen feiern gehen wollen würde - und anders herum ist es genauso. Er holt mich auch ab, damit er sicher gehen kann, dass ich nachts gut nach Hause komme. Und ich tue das gleiche für ihn.


Unterstütze deinen Partner in dem, was er tun möchte. In seinen Wünschen, in seinen Bedürfnissen. Stört dich der Männerabend? Findet der Männerabend jedes Wochenende statt? Dann siehe Punkt Nummer 1. Kommuniziere deine Wünsche - respektiert eure Bedürfnisse gegenseitig. Werdet zu Partnern.


Sag öfter Danke


Ich kann das nicht genug betonen, aber wie oft René und ich uns schon gestritten haben, weil einer von uns sich selbstverständlich gefühlt hat und die Auffassung hatte, der andere sei undankbar gewesen. Und dabei hatte man einfach vergessen, danke zu sagen.

Dein Partner kocht abends? Und das jeden Tag? Sag jeden Abend Danke für's Kochen. Er staubsaugt die ganze Wohnung, hängt die Wäsche auf? Sag Danke - auch, wenn du das vielleicht letzte Woche getan hast und dein Gegenüber nicht Danke gesagt hat.

Du denkst, es sollte normal sein, dass man morgens das Bett macht? Sag trotzdem danke, wenn dein Partner es macht.

Lass dein Gegenüber einfach wissen, dass du es schätzt, dass es ihn gibt.


Gesteh dir auch deine eigenen Fehler ein.


Niemand ist fehlerfrei. Du machst Fehler, dein Partner macht Fehler. Du hast deine Macken, genauso wie dein Partner.

Ich bin die größte Zicke, die René kennt - und die temperamentvollste. Nicht selten habe ich mit Tellern und Tassen geschmissen, wenn wir uns richtig gezofft haben. Wenn ich schlecht geschlafen habe, reicht nur ein Wort und ich bin auf 180.

Ich bin schnell panisch, mache mir zu viele Gedanken, steigere mich in Dinge hinein.

Ich habe nur einen kurzen Geduldsfaden und reagiere ungeduldig.

Dann kommt noch dazu, dass mein Mann damit leben muss, dass ich alles sofort haben und machen muss - ich kann keine Woche darauf warten, das Wohnzimmer neu zu streichen.


Fairerweise werde ich jetzt nicht die Fehler, die ich an meinem Mann finde, auflisten. Aber glaubt mir mal, auch er hat seine Macken und nicht selten musste ich mir sagen "So ist er halt. Reg dich nicht auf. Du kannst eher damit leben, dass er seine Socken hier liegen gelassen hat, als mit dem Streit, der dadurch entstehen würde".

Denn ich weiß, dass er sich bei mir auch oft genug zurück hält.


Wenn ernsthafte Probleme auftreten (und auch bei Kleinigkeiten), siehe wieder Punkt 1. Und wenn dir dein Gegenüber sagt "Ich finde das falsch", dann gestehe dir vielleicht auch mal selbst ein, dass du falsch reagiert hast oder dass du was ändern könntest. Vielleicht sind dir manche Dinge noch gar nicht aufgefallen.


Ich erinnere mich noch an einen langen Spaziergang im letzten Jahr, den mein Mann und ich unternahmen. Vier Stunden wanderten wir auf irgendeinem Pfad, von dem wir dachten, er dauert höchstens eineinhalb Stunden (war witzig...).

Aus irgendeinem Grund kamen wir auf die kleinsten Kleinigkeiten - wir redeten vier Stunden ganz ruhig über Dinge, die uns störten.

Es kamen Dinge auf, wie dass ich immer Teller in die Spüle stellte und nicht daneben (mein Mann kümmert sich um den Spülkram). Ich erzählte ihm, dass es mich störte, dass er seine Hände nach dem Händewaschen abschüttelte und damit überall Spritzer verteilte.

Mein Gott, ich hätte nie gedacht, dass man vier Stunden mit solchen Themen füllen könnte. Aber seitdem sind die Sachen geklärt und treten auch nicht mehr auf. Und es hat mir definitiv unter Beweis gestellt, dass solche Gespräche regelmäßig stattfinden müssen und dass jede Kleinigkeit irgendwie geklärt werden kann.


Ein letztes Wort...


Eine Partnerschaft bedeutet Mühe und Willenskraft. Es reicht nicht nur aus, verrückt nacheinander zu sein (auch, wenn das nicht verloren geht). Man muss Dinge ausdiskutieren, den anderen wertschätzen, dafür sorgen, dass er sich wertgeschätzt fühlt und auch mal nachgeben.

Ich hab's früher nie verstanden, wenn man sagte, man kann sich noch mehr lieben, umso länger man zusammen ist. Im Gegenzug wurde mir auch oft gesagt, dass die Liebe nachlässt.

Dieser Meinung bin ich ganz und gar nicht. Ich liebe meinen Mann jeden Tag mehr und habe mich in einer Beziehung noch nie so wohl gefühlt. Und klar nervt mein Mann mich auch mal (und ich ihn) - meine Güte, wir leben ja auch zusammen.


Ist doch normal.



 

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