Meine Identität nach meiner Schwangerschaft

Hello, hello! Es ist jetzt genau vier Tage her, dass meine Tochter auf die Welt gekommen ist - ich stecke also wirklich noch mitten in der Wochenbettzeit und eigentlich möchte ich euch auch den Geburtsbericht bieten, aber für den lasse ich mir noch ein paar Tage Zeit. Mich hat nämlich bereits in der Schwangerschaft ein Thema besonders interessiert und beschäftigt und umso mehr mache ich mir jetzt die Gedanken darum.


Wer bin ich als Frau nach einer Schwangerschaft?


Ich habe bereits darüber berichtet, dass meine Schwangerschaft nicht wirklich komplikationslos abgelaufen ist. Darüber kannst du lesen in meinen Berichten über das jeweilige Drittel der Schwangerschaft:


- Teil 1/Erstes Trimester

- Teil 2/Zweites Trimester

- Teil 3/Drittes Trimester


Den Zauber, von dem man berichtet, wenn es um das Thema geht, spürte ich selten bis gar nicht. Ich liebte es zwar, zu wissen, Mutter zu werden und mein kleiner Schatz war mir vom ersten Tag an das Wichtigste der Welt und dennoch fiel es mir schwer, mich als Schwangere fallen zu lassen und das Wunder, welches mir ermöglicht wurde, zu genießen.

Eine Schwangerschaft ist nicht anspruchslos


Nein, im Gegenteil - sie verlangt unheimlich viel ab von einer Frau. Körperlich, mental, seelisch.


Einschränkungen im Alltag zu akzeptieren und mit den Veränderungen des eigenen Körpers zurecht zu kommen, kann schwer fallen. Ich habe meinen Schwangerschaftsbauch geliebt, war fasziniert von ihm - und dennoch kam ich nicht zurecht damit, dass ich Hilfe beim Schuhe anziehen brauchte; dass ich nicht mehr unabhängig sein konnte. Und nicht nur einmal stellte ich mir die Frage, ob mein Mann mich noch sexy fand. Nun, ich war schwanger und musste mir erst beibringen, zu verstehen, dass das ein Zustand meines Körpers war und nicht meine neue Identität.

Jetzt liege ich mit meiner Tochter auf dem Sofa und verfasse diese Zeilen mit meinem Handy, da die kleine Maus 100% meiner Zeit beansprucht und ich verstehe nun, dass das Mutter sein meine neue Identität ist. Es ist meine Bestimmung, so dramatisch das auch klingt. Es ergibt für mich Sinn. Ich fühle mich jetzt so, habe mich aber in der Schwangerschaft nicht so gefühlt - ich dachte, es ist nur ein wundervolles Extra. Aber jetzt verstehe ich, was es wirklich bedeutet.

Ich fragte mich schon früh, wer ich jetzt bin, nun dass ich ein Kind bekommen würde


Jetzt muss ich anfangen, mich neu zu entdecken. Ich muss kennenlernen, wer ich als Mutter sein möchte. Ich bin nicht mehr die Frau, die ich vor meiner Schwangerschaft war.

Ein Kind zu bekommen war das lebensverändernste Ereignis, was ich mir vorstellen kann. Und ich genieße es. Es erfüllt mich, dass das Mutter sein nun ein Teil meiner Identität ist. Ich nehme mich selbst ernster, bin selbstloser, verstehe meinen Körper von einer ganz anderen Perspektive heraus und es fällt mir so unheimlich leicht, mich für dieses kleine Wesen zurückzustellen (auch, wenn ich weiß, dass es wichtig ist, sich nicht zu verlieren, damit man eine gute Mutter sein kann).


Mehr Erfahrung, mehr Selbstlosigkeit


Ich habe ja schon früh darüber geschrieben, dass mich die Schwangerschaft lehrte, selbstbestimmter und selbstbewusster durchs Leben zu gehen.

Und dieses “Wissen“, diese Erfahrung, zahlt sich jetzt aus. Mütter müssen verantwortungsbewusst sein, ist ja klar. Aber sie müssen sich auch überlegen, wer sie für ihre Kinder sein müssen.

Ich muss nun Entscheidungen für meine Tochter treffen und Dinge erledigen, zu denen ich eigentlich keinen Bock habe (wie zum Beispiel ganz viel Bürokratie), weil ich es für dieses kleine Wunder mache. Selbst, wenn ich keine Lust auf diese Dinge habe, mache ich sie gerne, da es mir das Gefühl gibt, eine gute Mutter sein zu können und in meiner Rolle, die ich so liebe, aufzublühen.

Während ich vor meiner Schwangerschaft irgendwie verloren war, mein Ziel im Leben noch unklar schien, fühle ich mich jetzt zu mir gekommen. Ich fühle mich komplett und bereit, dieses Leben zu leben.

 

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