Das erste Trimester - ein Rückblick auf meine Schwangerschaft

Hello, hello!

Mittlerweile ist das erste Trimester für mich schon sehr sehr lange vergangen. Ich befinde mich in der 36. Schwangerschaftswoche und werde wahrscheinlich in vier Wochen mein Kind bekommen (wenn es sich nicht schon vorher auf den Weg machen sollte).

Dennoch dachte ich mir, dass ein Rückblick auf meine Schwangerschaft für viele interessant sein könnte. Ich zum Beispiel habe mir gerade zu Anfang so gerne Beiträge von Frauen durchgelesen, die entweder das gleiche durchgemacht haben, wie ich oder einfach über ihre positiven Erfahrungen berichtet haben, sodass ich mir ein wenig weniger Sorgen machen konnte.





Eines kann ich vorweg sagen: Die Sorgen hören eigentlich nie auf und wenn ich aus der Retroperspektive auf die ganze Sache blicke, muss ich sagen, dass meine Schwester Recht hatte, als sie vor Jahren mal zu mir sagte: Julia, sobald du den positiven Schwangerschaftstest in den Händen hältst, wirst du bis zu deinem Tod nicht mehr aufhören, dir Sorgen um dein Kind zu machen.


Inhalt


#1: Der positive Schwangerschaftstest und die große Angst

#2: Der Start in die schwierigste Reise

#3: Übelkeit und Erschöpfung

#4: Die anderen Schwierigkeiten

#5: Was ich mitgenommen habe

#6: Schlusswort



Ich möchte dir von meinen Erfahrungen berichten. Dies wird eine dreiteilige Reihe, in der ich sowohl von positiven, als auch von negativen Erfahrungen berichte.

Leider war ich so doof und habe im ersten Trimester nicht wirklich dokumentiert, was sich so in mir abgespielt hat, also berichte ich zunächst eher aus der Erinnerung heraus. Ich hoffe, ich kann dir trotzdem ein gutes Bild davon vermitteln, wie es für mich war.


1. Der positive Schwangerschaftstest und die Angst vor dem ersten Frauenarzttermin


Meinen positiven Test hielt ich in der Hand, da war ich noch nicht einmal überfällig. Ich war ungefähr so drei Tage vor meiner erwarteten Periode.

Ich machte eigentlich nur einen Test, da mein Mann und ich es schon seit längerer Zeit darauf anlegten und einen Kinderwunsch hatten und an diesem Tag wollten wir gerade in die Flitterwochen fahren. Wir hatten uns auf eine Woche Fischbrötchen an der Ostsee eingestellt und unser AirBnb war eine an Texas angelehnte Ranch mit Saloon, in dem wir eigentlich vor hatten, uns es dort abends gut gehen zu lassen. Wir wollten also Flitterwochen, in denen wir uns gehen lassen könnten.


Vertraue deinem Bauchgefühl


Mein Bauchgefühl allerdings (gottseidank) teilte mir mit, dass es vielleicht ganz gut wäre, wenn ich vor der ganzen Trinkerei und den ganzem rohen Fisch sicherheitshalber noch einen Test machen würde.


Ich legte den Test auf der Fensterbank ab, machte mir einen Kaffee, dachte mir "Ist eh wieder negativ" und als ich zurück ins Bad kam, dachte ich, ich bilde mir eine ganz zarte rosa Linie ein. Nachdem ich den Test gegen das Licht hielt und aus dem Staunen nicht raus kam, rief ich erst einmal meine Mutter an und sagte ihr, dass ich glaube, schwanger zu sein. Sie bat mich darum, ihr mal ein Foto zu schicken, damit sie auch gleich mal die rosa Linie begutachten konnte und dann rätselten wir zusammen, ob der Test tatsächlich positiv sei oder nicht.


Wie ich es meinem Mann mitteilte


Nach dem Telefonat weckte ich erst einmal ganz aufgeregt meinen Mann und meinte "René, ich glaube, ich bin schwanger" - der hat erst einmal überhaupt nichts verstanden und wir beide beschlossen, abzuwarten und erst einmal in den Urlaub zu fahren.


An einer Raststätte rief ich dann meinen Frauenarzt an und bekam innerhalb von drei Wochen einen Termin.

Die Woche an der Ostsee war schwer für mich.

Ich wollte nicht nochmal einen Test kaufen, bevor ich mindestens überfällig war und ehrlich gesagt hatte ich auch jeden Tag Angst, dass meine Periode doch noch einsetzen würde. Außerdem hatte ich Angst davor, mich getäuscht zu haben, dass es doch nur eine Verdunstungslinie war, die ich da gesehen hatte.


Paranoia und Angstzustände


Jeden Tag rief ich meine Mutter an und redete mit ihr über diese Angst.

Ich wurde richtig paranoid, dachte nur an die Sachen, die ich falsch machen könnte, fühlte mich überhaupt nicht schwanger und ich habe so sehr gehofft, diesen kleinen Zellhaufen nicht wieder zu verlieren.


Meine Angstzustände wurden sogar so schlimm, dass ich richtig Herzrasen und Schweißausbrüche bekam.

Jede Person, die um mich herum geraucht hatte, machte mich fertig und ich wusste nicht, welches Wasser ich trinken sollte. Ja, so schlimm war es. Ich wollte einfach nur alles richtig machen.


Dann kam noch dazu, dass ich niemandem erklären konnte, warum ich auf das Bier verzichte. Die Leute, die wir dort kennenlernten, verstanden auch nicht, warum ich mich so komisch verhielt, als es darum ging, dass mein Steak nicht richtig durchgebraten war.

Dazu kam dann noch, dass ich dachte, ich mache mich nur lächerlich, da der Frauenarzt bestimmt zu mir sagen würde: Falscher Alarm.

War es doch einfach nur ein verlängerter Zyklus?


Der nächste Test


Am Ende der Woche besuchten wir noch Renés Opa, der in der Nähe wohnte und verbrachten dort eine Nacht. Zuvor hatte ich mir noch einen Schwangerschaftstest gekauft, den ich am Morgen vor unserer Heimfahrt machen wollte.

Ich konnte in der Nacht kaum schlafen, dachte mir, dass ich vielleicht falsch gerechnet hätte.


Aber als ich den Test morgens machte, brauchte ich nicht einmal abwarten. Er war direkt dick fett positiv!

Vor Freude fing ich erst einmal an, zu heulen und legte mich wieder zu meinem Mann, der mich sogar trösten musste.

Wir konnten es beide nicht glauben.


2. Der Start der schwierigsten Reise


Ich versuchte mich also erst einmal darauf einzustellen, jetzt schwanger zu sein. Am Anfang war ich ziemlich überfordert mit den ganzen Informationen darüber, was man nicht essen durfte, welche Tees man nicht trinken sollte und und und. Mein Mann und ich gingen einen Abend aus zum Essen und ich hatte irgendwas auf dem Teller, was nicht richtig durch war und ich bekam einen halben Nervenanfall, weil ich mir dachte: "soll das jetzt die nächsten Monate so weiter gehen? Schaffe ich das?"


Die ersten 12 Wochen sind die härtesten. Man schlägt sich jeden Tag mit der Hoffnung, dass man morgens eben nicht mit einem Blutfleck in der Hose aufwacht.

Alles, was schief laufen könnte, malt man sich aus und man will es um jeden Preis verhindern.

Ich dachte "okay, du darfst keinen Zimt essen, denn davon bekommst du eine Fehlgeburt" - denn überall auf den ganzen Seiten, die ich mir eigentlich gar nicht hätte durchlesen sollen, stand, dass Zimt vorzeitige Wehen auslösen könnte.

Eigentlich hätte alles mögliche vorzeitige Wehen auslösen können - zumindest laut diesen Seiten.


Natürlich gibt es Besonderheiten, bei denen es schon richtig war, auf sie zu achten, aber das meiste, was ich gelesen hatte, war nur Panikmache.

Es gibt sogar eine Tabelle online, die dir monatlich ausrechnet, wie hoch deine Chancen auf eine Fehlgeburt sind.

Regelmäßig habe ich dort hinein geschaut - ich muss auch zugeben, dass es mich manchmal schon beruhigt hat.

Aber ganz ehrlich: Was es alles gibt - einfach unglaublich.


Vor allem, was meine Angst angeht, habe ich viel in meiner Schwangerschaft gelernt. EInen Artikel dazu habe ich bereits verfasst: Du kannst ihn hier lesen: Was ich in meiner Schwangerschaft lernen musste.



3. Die Übelkeit und die Erschöpfung


Bei meinem ersten Frauenarzttermin sagte ich ihm noch (übermütig), dass ich glaube, ich würde zu den Glücklichen zählen, die keine Übelkeit bekommen würden. Ironischerweise fing bei mir genau eine Woche später genau diese an.

Ich habe eine Kotzblockade, kann nur im äußersten Notfall wirklich erbrechen und wenn die Grenzen schon überwunden sind, weshalb ich gottseidank nicht einmal in den 12 Wochen erbrechen musste. Aber ich habe mir gewünscht, dass ich es gekonnt hätte.


Ich will es so beschreiben: Halbtot bin ich durch die Gegend gekrochen, konnte nicht mehr stehen, nicht mehr liegen, mir war sogar zu schlecht zum Schlafen. Nicht nur einmal habe ich deshalb auch geheult. Alles, was um mich herum passierte, war einfach nur noch wie ein Film, der nebenbei lief.

Ich habe niemanden mehr gesehen, außer René und ab und zu mal meine Mutter oder eine Freundin.

Es war auch noch Hochsommer und ich dachte mir "na super - du kannst nicht einmal deinen Sommer genießen".


Und die ständige Angst


Es gab keinen Tag, an dem ich keine Angst davor hatte, mein Baby wieder zu verlieren. Und dann kam noch die große Überraschung:

Eines Morgens wachte ich auf und hatte tatsächlich Blut in der Hose.

Panisch weckte ich also meinen Mann und wir fuhren ins Krankenhaus.


Mal abgesehen davon, dass ich mich noch nicht daran gewöhnt hatte, wie eine Schwangere behandelt zu werden, fühlte ich mich einfach nur unwohl.

Die Ärztin stellte gottseidank fest, dass es nur eine Kontaktblutung gewesen sein muss - Muttermund fest verschlossen und Babys Herz schlug wunderbar.


4. Andere Schwierigkeiten


Generell hatte ich einfach Pech mit Nebenwirkungen. Ich hatte alle paar Tage einen Scheidenpilz. Mein Kreislauf war aber die schlimmste Angelegenheit. Einen Sonntagmorgen bin ich glatt vom Klo gefallen, weshalb wir wieder ins Krankenhaus mussten. Und einmal bin ich nach dem Frühstücken in der Bäckerei einfach ohnmächtig geworden. Also wieder ins Krankenhaus. Mittlerweile war es mir schon unangenehm, dass die Ärzte mich anschauten so in der Art wie "Ach die schon wieder". Der zweite Zusammenbruch war aber in der 18. Woche, also theoretisch schon im zweiten Trimester, aber meine Übelkeit hielt auch ungefähr bis dahin an.


5. Nicht gewartet


Ich entschied mich relativ schnell dazu, dass ich unseren Verwandten und den engsten Freunden die Nachricht verkünden wollte. Für mich ergab es einfach keinen Sinn, zu warten. Wenn nämlich etwas in den zwölf Wochen passieren sollte, wollte ich, dass die Leute bescheid wissen, warum es mir schlecht ginge. Außerdem war es viel zu schwer, sich ständig Ausreden einfallen zu lassen, warum man im Sommer zum Beispiel keinen Apfelwein trinkt, wenn das alle um einen herum tun.


Das schöne war auch, dass wir erfahren haben, dass meine Schwägerin auch schwanger war (ist). Sie bekommt zwei Monate nach mir ihr Kind und ich glaube, es sollte einfach alles so sein.


6. Was ich mitgenommen habe


  1. Vertrauen in meinen Körper: Ich habe gelernt, dass es auf jeden Fall nichts bringt, sich so unter Druck zu setzen und zu versuchen, alles richtig zu machen. Eine Schwangerschaft ist ein Glücksfall. Am Ende kann man nichts dagegen tun, wenn es nicht so sein sollte. Ich habe einfach gelernt, in meinen Körper so zu vertrauen, dass er schon weiß, was er macht.

  2. Akzeptanz in meine Situation: Wenn es anders ausgegangen wäre, dann hätte ich es akzeptieren müssen. Dann wäre unser Leben eben wie vorher gewesen.

  3. Meinen Wert erkannt: Damit meine ich, dass ich lernte, dass mein Wert sich nicht ändern würde, nur, weil es bei mir nicht geklappt hätte.

  4. Sich Ruhe zu gönnen ist vollkommen in Ordnung.

  5. Hilfe annehmen auch.

  6. Foren, in denen steht, wie Frauen eine oder keine Fehlgeburt hatten, bestimmt trotzdem nicht, ob du eine haben wirst.

  7. Mit Vertrauenspersonen über Ängste reden hilft ungemein.


Abschließend...

... kann ich nur sagen, dass ich allen Frauen im ersten Trimester ganz viel Kraft und Durchhaltevermögen wünsche! Lehnt euch zurück und macht euch nicht zu viele Gedanken. Versucht, eurem Körper zu vertrauen.

Und lest nicht so viel in den ganzen Foren.

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