Mein Geburtsbericht



Über meine Einleitung, eine Geburt unter Corona und Wehensturm


Hello, hello! Wie versprochen möchte ich nun endlich über meine Geburt berichten.

Gleich vorweg möchte ich darauf hinweisen, dass ich eine sehr schwere Geburt hatte und diese nicht unbedingt durchweg toll war. Ich habe eine negative Erfahrung gemacht, die aber hauptsächlich mit der Inkompetenz der Mitarbeiter im Krankenhaus zu tun hatte und weniger mit der Geburt an sich. Falls du Angst vor einer Geburt haben solltest, finde ich, solltest du das wissen.

Trotz der negativen Erfahrung, die ich gemacht habe, blicke ich gerne zurück auf diesen Tag, da der Moment, in dem ich meine Tochter zum ersten Mal im Arm hielt wirklich der schönste in meinem Leben war. Ich liebe dieses Kind so unbeschreiblich sehr und auch, wenn bei mir der Schmerz nicht vergessen war, wäre ich ihn immer wieder eingegangen, nur für sie.

Eine Woche zuvor


Eine Woche bevor ich eingeleitet werden sollte, da bei mir eine Wachstumsretardierung vorlag, kam ich mit schlimmen Schmerzen im Oberbauch ins Krankenhaus. Dort wurde dann festgestellt, dass ich bereits Wehen hatte & vor allem fanden die Ärzte heraus, dass ich Eiweiß im Urin hatte, was auf eine Schwangerschaftsvergiftung hindeutete.

Zur Überwachung wurde ich also für eine Nacht dort behalten und es stand kurz im Raum, früher einzuleiten, was jedoch nicht umgesetzt wurde.

Dass ich zu diesem Zeitpunkt bereits Wehen hatte, wurde im späteren Verlauf noch wichtig, ohne dass ich es vorher wusste.

Der Tag der Einleitung


Richtig los ging es am Donnerstag, den 10.03..

Von Mittwoch auf Donnerstag konnte ich überraschenderweise richtig gut schlafen, obwohl ich schon ein wenig nervös war. Aber die Freude darüber, endlich meine Tochter kennen zu lernen, überwog.

Am Donnerstag um 09:00 Uhr schlugen mein Mann und ich im Krankenhaus mit Corona Test auf & ich sollte erst einmal in die Anmeldung. Dort waren noch 8 Leute vor mir dran, was sich auf vierzig Minuten zog und für mich war das schon so ein Moment, in dem ich mich fragte, warum ich überhaupt einen Termin zur Einleitung hatte, wenn ich trotzdem so lange warten müsste. Aber typisch Krankenhaus eben.


Danach durften mein Mann und ich endlich hoch in den Kreißsaal - aber nein, das hieß noch lange nichts. Mir war zwar klar, dass sich das ganze schon ein Weilchen ziehen würde, aber wie lange es dann am Ende war, war für uns beide ziemlich überraschend.


Im Kreißsaal angekommen, wurde ich erst einmal an das CTG gelegt - keine Wehentätigkeit. Danach wurde uns mitgeteilt, dass wir „gleich“ zur Ärztin könnten, die dann einen Ultraschall machen und den Muttermund untersuchen würde, um über die Art der Einleitung zu entscheiden.

Auf dieses Gespräch mit der Ärztin warteten wir zwei Stunden. Total angenervt saßen wir dort also schon mindestens drei Stunden ohne dass etwas passierte.

Endlich bei der Ärztin im Gespräch schallte sie dann ungefähr eine Stunde. In dem Moment war uns dann auch klar, warum wir so lange warten mussten.

Mir wurde eine Kanüle gelegt, Blut abgenommen und die Ärztin teilte mir mit, dass sie es gerne zuerst mit einem Prostaglandin Gel versuchen würde, da mein Muttermund bereits sehr weich zu sein schien.


Die Sache mit dem Gel und was es am Ende wirklich wurde


Das Gel wäre wohl sehr gut zu dosieren gewesen und man hätte die Dosis langsam steigern können, sodass man einen Wehensturm verhindern könnte.


Ein Wehensturm ist eine Situation, in der eine Frau Wehen ohne Ende und ohne Pause hat. Also sehr unangenehm.

Die Ärztin wollte auch direkt loslegen. Sie verschwand kurz, um zu checken, ob ein Kreißsaal frei war, kam dann zurück, meinte, es könnte direkt los gehen und als wir dann schon voller Freude darüber, dass endlich etwas passierte, das Untersuchungszimmer verließen, machten uns die Hebammen einen Strich durch die Rechnung.

Obwohl der Kreißsaal komplett frei war, wurde uns gesagt, dass ich nicht dran käme - es seien noch vier andere Einleitungen geplant. Wir fragten uns nur, warum man so viele Einleitungen an einem Tag plante.

Scheinbar hieß es: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Denn das Pärchen, welches vor uns zur Untersuchung war, wurde direkt in den Kreißsaal geschickt.

Ich hingegen sollte erst einmal auf die Wöchnerinnen Station. Wegen Corona durfte mein Mann dort eigentlich nicht bei mir bleiben. Unerlaubterweise blieb er trotzdem. Wir hatten uns ja eigentlich darauf eingestellt, dass ich schon längst eingeleitet worden wäre.

Mittlerweile saßen mein Mann und ich schon fünf Stunden dumm herum, ohne dass sich etwas tat.

Uns wurde auch noch gesagt, dass es „nachher“ los gehen würde und als wir fragten, was das bedeuten würde, konnte man uns keine klare Aussage bieten.

Nach erneutem Nachfragen meinte man, dass ich auf gar keinen Fall vor 17:30 Uhr und vielleicht sogar erst am nächsten Morgen eingeleitet werden würde.

Ganz toll - vor allem, weil mein Mann am nächsten Tag nur für eine Stunde zu Besuch hätte kommen dürfen, bis ich offiziell in den Kreißsaal gekommen wäre.

Wir waren angepisst. Ich fragte mich, ob das mit der Einleitung an dem Tag überhaupt noch etwas werden würde, mein Mann machte sich schon bereit, an dem Tag wieder heim zu fahren und auch, wenn wir wussten, dass eine Einleitung gerne mal ein paar Tage dauern kann, dachten wir, dass ich wenigstens den Startschuss an dem Tag bekommen würde.

Ich war zu dem Zeitpunkt bei 38+1, also in der 39. Schwangerschaftswoche.

Du kannst alles über den Verlauf meiner Schwangerschaft in den drei Teilen lesen, in denen ich auf die einzelnen Trimester zurück blicke. Da erzähle ich dir auch von meiner Schwangerschaftsdiabetes.

Um 17:30 Uhr standen mein Mann und ich also noch einmal vor dem Kreißsaal, um nachzufragen, ob an dem Tag noch etwas passieren würde und zu unserer Überraschung war es auch so.

Leider wurde nur nichts aus dem Gel - wisst ihr noch, als ich davon erzählte, dass es wichtig gewesen sei, dass ich eine Woche vorher bereits Wehen hatte? Eine andere Ärztin, als die, die mich vorher untersuchte, tastete erneut den Muttermund ab, kam zu dem Entschluss, dass dieser noch nicht weich genug sei und wir härtere Maßnahmen bräuchten. Sie entschied, mir ein Band zu geben, an dessen Ende ein Chip hing, welcher für 24 Stunden Hormone freisetzen würde. Dann wurde mir gesagt, dass wenn ich Glück hätte, sich in 24 Stunden ein bisschen was getan haben sollte und wenn nicht, dass sie dann zu anderen Mitteln greifen würden.

Man machte mir klar, dass keiner so wirklich damit rechnete, dass ich schnell Wehentätigkeit bekommen würde. Die Ärztin meinte sogar, dass ich wahrscheinlich ein paar Tage brauchen würde.

Da hat nur leider niemand mehr daran gedacht, dass ich bereits eine Woche vorher Wehen hatte.

Mein Mann verschwand und ich?


Ich unterhielt mich bis ca 22 Uhr auf meinem Zimmer mit meinen Zimmernachbarinnen (die by the way so toll waren, ich hätte mir keine besseren wünschen können). Da merkte ich allerdings überraschenderweise auf einmal einen Schmerz in der Leistengegend, den ich vorher noch nicht so stark spürte.

Ich war mir relativ schnell sicher, dass es sich um eine Wehe handeln musste. Allerdings hatte ich noch die Ärztin im Kopf und ihre Worte und ging (lächerlicherweise) davon aus, dass ich die Nacht noch ruhig schlafen können würde.

Ab ans CTG


Mir wurde gesagt, ich solle mich nochmal im Kreißsaal melden, sobald ich Wehen spüren würde - das tat ich also.

Total verdutzt schauten mich die Hebammen an, so nach dem Motto „Na gut, wenn die denkt, sie hätte Wehen, dann legen wir sie eben mal ans CTG“.

Das CTG schrieb ein paar Wehen, die allerdings noch nicht sehr stark schienen. Mein Muttermund wurde erst gar nicht untersucht.

Also zurück auf Station, weiter in der Unterhaltung. Wir verstanden uns so gut, dass wir bis knapp halb zwei miteinander quatschten.


Meine Wehen wurden zu dieser Zeit heftiger, aber nicht regelmäßiger. Aber um halb zwei spürte ich auf einmal, dass ich meiner Zimmernachbarin nicht mehr zuhören oder antworten konnte, weil die Schmerzen extremer wurden. Die beiden überredeten mich, nochmal zum Kreißsaal zu gehen und mich untersuchen zu lassen.

Erneut wurde mein Muttermund nicht abgetastet, ich wurde wieder nur ans CTG gelegt - und das Drecksding hat noch nicht einmal alle Wehen aufgezeichnet.


Man glaubte mir also nicht. Eine Hebamme gab mir ein Zäpfchen gegen die Schmerzen, welches aber absolut nichts mehr brachte.

Ich wurde jedoch immer noch als die angesehen, die einfach ein bisschen übertrieben auf ein paar Senkwehen reagierte.

Also wurde ich wieder aus dem Kreißsaal geschmissen. Zurück im Zimmer waren die beiden Mädels schon eingeschlafen. Mittlerweile war es ca. viertel nach zwei.

Die Hebamme, die mir das Zäpfchen gab, meinte auch zu mir, ich solle mich noch ein bisschen zum schlafen hinlegen.


Zu dem Zeitpunkt dachte ich mir einfach nur die wollen mich doch alle verarschen. Kapieren die nicht, was mit mir los ist???

Dann ging es richtig los


Ich lag also in meinem Bett und die Abstände zwischen den Wehen waren mittlerweile so bei 5 Minuten. Und die Wehen selbst waren mittlerweile so schmerzhaft, dass ich sie vertönen musste. Meine armen Zimmernachbarinnen.

Um sie nicht beim Schlafen zu stören, entschied ich mich bald dazu, mich auf den Stationsflur zu begeben. Dort lief ich auf und ab und vertönte alle fünf Minuten eine Wehe. Heulend schrieb ich mit meiner Mutter, die nicht schlafen konnte und mich wenigstens auf die Entfernung ein wenig unterstützte.

Meinen Mann wollte ich nicht wecken, weil mir ja ständig jeder vom Kreißsaal zu verstehen gab, dass es noch nicht losgehen würde.

Nicht ein einziges Mal sprach mich eine Schwester an und erkundigte sich über meinen Zustand.

Ich wurde komplett allein gelassen. Das Personal lief einfach an mir vorbei ohne etwas zu sagen.

Und ich traute mich nicht, jemanden anzusprechen, da ich vom Kreißsaal ja immer wieder weg geschickt wurde.

Mir wurde das Teil dann gezogen


Als ich beim nächsten Mal dort aufschlug, hatte ich nicht mehr Wehen in Abständen von 5 Minuten, sondern von ca 30 Sekunden. Ich hatte also genau das, was man vermeiden wollte: einen Wehensturm.

Wenn ich euch sage, dass ich noch nie etwas schmerzhafteres empfunden habe, dann könnt ihr mir das unweigerlich glauben.

Die Hebamme, die mir dieses Bändchen dann zog, hatte Bedenken, dass deshalb alles nochmal von vorne angefangen werden müsste, da mein Körper ja angeblich noch nicht bereit war für eine Geburt.

Kein einziges Mal wurde mein Muttermund untersucht, bis zu dem einen späteren Zeitpunkt.

Mit meinen Nerven war ich bald am Ende


Ganz ehrlich - ich hatte irgendwann, nachdem ich bis ca sechs Uhr morgens über den Stationsflur gelaufen bin, keinen Bock mehr. Ich war an einem Punkt, an dem ich mich nach einem Kaiserschnitt sehnte. Ich wollte einfach nur noch, dass mir das Kind raus geholt würde, damit diese Schmerzen aufhörten.

Die Wehen stoppten übrigens zur Überraschung der Hebammen nicht, nachdem mir das Band gezogen wurde.

Mir wurde in der ganzen Nacht nicht einmal ein Bad zur Entspannung angeboten oder irgendwas, was unter einer normalen Geburt geschehen würde. Ich war mitten im Geburtsvorgang und wo befand ich mich? Auf dem Flur, auf dem mittlerweile die Wägen standen, mit denen das Frühstück ausgeliefert wurde, statt im Kreißsaal. Mich begleitete niemand. Ich wurde komplett allein gelassen - und was es noch trauriger macht: als Erstgebärende.


Um ca. halb sieben schnappte ich mir meinen CTG Gurt, mein Handy, meine Flasche Wasser und lief in einer Wehenpause zum Kreißsaal. Ich hatte die Schnauze voll.

Vom Vertönen zum Schreien


Meine Wehen konnte ich mittlerweile nicht mehr nur vertönen. Die Geräusche, die aus mir heraus kamen, wurden zu Schreien. Ich war so fertig und so traurig und wütend.

Beim Kreißsaal angekommen, sagte ich zu der Hebamme, die mir die Tür öffnete:


Ich weiß nicht was ich hier noch machen muss, um Hilfe zu bekommen, aber ich kann nicht mehr und ich bin allein, also brauche ich jetzt jemanden!“


Wieder wurde ich ans CTG gelegt und dieses zeichnete endlich ein paar Wehen auf. Eine neue Hebamme kümmerte sich endlich um mich und siehe da: mein Muttermund wurde endlich untersucht.

Ich war bei 3cm und mir wurde eine PDA angeboten, die ich dankend annahm. Sehr schnell stellte sich jedoch heraus, dass ich unter den Wehen bereits bei 7cm war.


Mir wurde schnell gesagt, ich solle meinen Mann anrufen.


Unter einer Wehe tat ich das. René war gerade dabei, sich einen Kaffee beim Bäcker zu holen. Ich teilte ihm nur mit, dass es jetzt wirklich los geht - das Baby kommt & er soll sich beeilen.

Er war nach ca. 40 min endlich bei mir & nochmal zehn min später bekam ich die PDA.


Diese war überhaupt nicht schlimm. Ich spürte lediglich die Kälte in meinem Rücken, als mir das Mittel gespritzt wurde.

Vom Einstich merkte ich absolut gar nichts.

Endlich eine Stunde Schlaf - und dann kamen die Presswehen


Durch die PDA konnte ich mich endlich eine Stunde lang erholen- mir tat es auch schon gut, dass endlich René bei mir war. Ich war nicht mehr einsam.

Aber wach wurde ich von einem unheimlichen Druck nach unten. Ich war mir im ersten Moment sicher, dass das Presswehen sein müssten.

René holte die Hebamme, die mir sagte, ich solle einfach mal versuchen, zu pressen, wenn es sich danach anfühlte. Ich war erstmal total erstaunt, denn sobald ich es probierte, war es so, als würde mein Körper einfach machen, wozu er da war. Ich musste mich gar nicht viel anstrengen, ich musste einfach nur den letzten Druck hinzugeben.

Mein Körper wusste genau, was zu tun war. Es war so ein angenehmes Gefühl, diesen Druck endlich raus lassen zu können.

Nach zwei, drei mal pressen sagte die Hebamme zu meinem Mann, dass er bereits das Köpfchen sehen könne.


In dem Moment klickte es bei mir und ich wollte einfach nur noch mehr pressen, damit die kleine schneller kommen würde.

Und dann waren es nur noch zehn Minuten


Mir kommen schon wieder die Tränen, wenn ich darüber nachdenke. Es war wirklich der schönste Moment in meinem Leben. Außerdem war ich so stolz:


Nach nur noch wenigen Presswehen und einem stechenden Schmerz, bei dem ich genau wusste, dass ich in dem Moment gerissen war, machte es „flutsch“ und dieses kleine Wesen lag neben mir auf der Liege. Bald schon fing sie an zu schreien, ich sah sie an und musterte ihr wunderschönes Gesicht. Ich starrte sie einfach nur an und in dem Moment konnte ich es auch noch nicht fassen, dass das meine Tochter war.


Ich schaute René an und wir heulten beide um die Wette.

Ich durfte sie mir dann hochnehmen und mir auf die Brust legen, wo sie sofort anfing, zu suchen. Außerdem beruhigte sie sich nach ein paar Minuten.

Die Hebamme ließ und für ca. 45 Minuten alleine, wir konnten die kleine knuddeln und genossen die Zeit unheimlich, bevor sie gewogen und gemessen wurde.

Die Zeit danach


Ich verbrachte noch drei Tage im Krankenhaus, bevor wir mit der kleinen nach Hause durften.

Ich konnte in den ersten Tagen gar nicht verarbeiten, was passiert war, aber ich war schockverliebt in meine kleine Tochter.


Sie ist das liebste Baby, das man sich nur wünschen kann. Wenn sie mal schreit, dann nur, wenn sie wirklich hungrig ist und ich sie vorher noch wickeln möchte oder wenn ich ihr Schnodder aus der Nase saugen muss (LOL).

Ja, ich hatte eine negative Erfahrung und nein, die Schmerzen sind nicht vergessen, aber dennoch war es mir der ganze Kampf für sie wert.

Trotz alledem war die Geburt meiner Tochter das schönste Ereignis meines Lebens und seitdem fühle ich mich endlich komplett. Auf einmal ist alles perfekt, trotz Milchstau, Milchzyste, müden Nächten, Bauchweh, Schmerzen wegen dem Dammriss, Antibiotikum Einnahme, Schmerzmittel und noch ein paar anderen Dingen - unser Leben ist jetzt perfekt, weil sie da ist.





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