Sein Leben verändern - warum eigentlich?

Ich versteh's nicht. Warum hat man eigentlich ständig das Bedürfnis, sein Leben zu verändern? Es besser zu machen? Es komplett zu erneuern?

Self help Bücher und Interneteinträge unterstützen diesen Gedanken und lassen uns manchmal so fühlen, als wäre irgend etwas falsch mit uns.


Auf meinem Blog versuche ich dir zu helfen, dich in eine Richtung zu bewegen, die dir gut tun könnte. Aber vor allem versuche ich, jedem hier das Gefühl zu geben, dass nichts falsch ist - dass man sich lediglich ein paar kleine Extras aneignen kann.

Zum Beispiel schreibe ich über meine Erfahrungen und versuche damit einen Austausch zu finden und reflektiere mich beim Schreiben auch selbst.


Trends, Trends, Trends...


Aber direkt das komplette Leben verändern? Um fünf Uhr morgens aufstehen, nur, weil jemand sagt, dass das gut ist? Jeden Tag Yoga machen, weil man das halt so macht? Minimalismus, weil das gesund für die Seele sein soll?

Was, wenn das doch eigentlich gar nicht zu einem passt? Was, wenn man sich damit nur unter Druck setzt und sich sogar eher etwas schlechtes tut?





Diese Erfahrung habe ich tatsächlich vor ein paar Jahren gemacht. Ich bin jeden Morgen um 6 Uhr aufgestanden, habe mir jeden Tag ein großes Frühstück gemacht, vor der Arbeit schon Sport gemacht, geduscht, Make Up ins Gesicht geschmiert, danach noch "gejournalt", bin auf die Arbeit und bin um 22 Uhr ins Bett. An Sonntagen habe ich all meine Aufgaben wie Hausputz erledigt, einfach, weil das der einzige Tag war, an dem ich komplett frei hatte. Samstag Nachmittag blieb dann Zeit für Kontakte.

Ich dachte zu dieser Zeit wirklich, ich habe verstanden, wie das Leben zu laufen hat - hab mich produktiv gefühlt.

Nach ungefähr einem halben Jahr dann war ich komplett ausgebrannt.


Durch das ständige Tun und dadurch, dass ich mich nie zurück gelehnt habe - dadurch, dass ich nie langsam gemacht habe und auf meinen Körper hörte, war ich irgendwann so am Arsch, dass ich einen Monat Zuhause geblieben bin (Überstunden, Urlaub).


Hustle Culture


Ja, es ist immer gut, sich bilden und weiterentwickeln zu wollen - sich bestimmte Fähigkeiten aufzubauen. Aber ich habe das Gefühl, dass der Trend existiert, bei dem es heißt: Dein Leben wäre viel besser, wenn du diese zehntausenden Dinge machst!


Und das Problem ist nicht einmal, dass es Bücher gibt, die sagen: Wenn du um fünf Uhr morgens aufstehst, dann ist das ziemlich cool.

Das Problem ist eher, dass diese Bücher sagen: Wenn du nicht um fünf Uhr morgens aufstehst, dann verpasst du dein volles Potenzial!


Zum Beispiel heißt es scheinbar in dem Buch "Big Magic" von Elisabeth Gilbert: Sei mutig. Denn wenn du nicht mutig bist, wirst du die Welt in all ihrer Schönheit niemals so kennenlernen, wie es sein sollte. (Quelle: hamerlike.ch)


Die Aussage ist erstmal eine schöne. Ich finde auch, dass wir Menschen mutiger sein sollten! Mich stört jedoch immer die Bedingung - wenn du das und das nicht tust, dann wirst du das und das nie erleben/fühlen/erkennen.


Sein Leben akzeptieren


Ich möchte nicht sagen, dass wir nie wieder an uns arbeiten, uns inspirieren und uns motivieren sollten.

Auch ich berichte auf meinem Blog über Dinge, die du machen kannst - zum Beispiel wenn es um deine Beziehung oder um deine Hautpflege geht.

Auch ich denke, dass es von Vorteil sein kann, wenn man früher aufsteht.

Ich glaube auch an die kleinen Nuggets, die dich in deinem Alltag unterstützen können.


Aber muss es immer direkt etwas Persönlichkeits- oder Lebensveränderndes sein? Heißt das, du verpasst etwas im Leben, wenn du diese Dinge nicht tust?


Ich habe einfach akzeptiert, dass ich gerne länger schlafe. Dann bin ich zum Beispiel am produktivsten. Dafür bleibe ich länger wach.

Natürlich ändert sich das bestimmt, sobald meine Tochter auf der Welt ist.

Was ich jedoch einfach damit sagen möchte, ist, dass du all diese Dinge nicht tun MUSST, um einen Sinn in deinem Leben zu finden.

You do you!


Wenn dich meine Beiträge inspirieren, dann freue ich mich darüber. Aber ich bin mir auch bewusst, dass sie nicht ultimativ zu jedem passen.

Ich denke, es ist in Ordnung, wenn wir alle ein wenig zur Ruhe kommen.

Hast du keinen Bock auf Yoga? Dann musst du es dir nicht aneignen, nur, weil ein Buch sagt, es wäre gut für dich, wenn du Yoga machst.



 

FEATURED IMAGE: cottonbro von Pexels