Feminin als Feministin

Hello, hello! Wir leben in einer feministischen Welt. Und das finde ich gut! Frauen bekommen mehr Gehör, mehr Chancen - wir bewegen uns endlich in eine Richtung, in der Gleichberechtigung kein Wunsch, sondern eine Tatsache ist. Ich sage bewusst bewegen und Richtung, denn angekommen sind wir leider noch lange nicht. Aber es sieht gut aus. Wir machen Fortschritte.


Für mich geht es beim Feminismus darum, Frauen die Möglichkeit nicht abzunehmen, eine Wahl für ihre Lebensweise zu treffen. Was auch immer eine Frau sein möchte, sie sollte das entscheiden! Und genau darum geht es heute in meinem Beitrag.


Oft habe ich das Gefühl, dass ein bestimmtes Bild von typischen FeministInnen existiert: Sie ziehen blank auf der GNTM Bühne und rasieren sich den Schädel. Aber Feminismus hat kein spezielles Gesicht. Feminismus besteht aus vielen verschiedenen Gesichtern.


Maskuline Energien


Vielleicht sollte ich damit anfangen, worum es mir prinzipiell heute geht. Maskuline Energien: Sie stecken in uns allen. Genauso, wie feminine Energien. Und obwohl ich nicht wirklich spirituell bin, schreibe ich Energien, denn ich finde, an dem Wort ist etwas dran.


Wenn ich meinen Mann dabei beobachte, wie er unseren Hund streichelt, wie er für mich kocht oder wie er Musik macht, dann sehe ich in ihm ganz deutlich eine feminine Energie!

Wenn ich ihn dabei beobachte, wie er sich zum Beispiel handwerklich beschäftigt, sehe ich in ihm eine maskuline Energie.


In jedem von uns, auch in Frauen, stecken beide Energien. Und beide Energien sind zu unterschiedlichen Zeiten und unterschiedlichen Umständen unterschiedlich ausgeprägt.

Ich zum Beispiel merke seit meiner Schwangerschaft ganz deutlich, dass meine feminine Ader stärker ausgeprägt ist, als die maskuline.


Ich hatte definitiv mehr von meinen maskulinen Eigenschaften in mir, als ich letztes Jahr noch dabei war, mein Abi nachzuholen. Ich lernte jeden Tag, plante weit in die Zukunft voraus, kam selten zur Ruhe. Seit der Schwangerschaft musste ich lernen, mehr auf meine Intuition zu vertrauen, mich auch mal zurück zu lehnen, mich um mich zu kümmern und mich mental darauf vorbereiten, mich um andere zu kümmern - feminine Energien.


Feminismus und Maskulinität


Oft habe ich das Gefühl, dass besonders feminine Eigenschaften im Feminismus vernachlässigt werden. Wir lesen oft von Boss Babes, Girlboss & Co., und ich finde es wichtig, dass nach all den Jahren systematischer Unterdrückung Frauen sich den Weg nach oben freimachen und zu Boss Babes werden.



Foto von Eyup Beyhan von Pexels


Ich merke leider nur sehr oft, dass wenn das nicht dein Wunsch ist, du nur Hausfrau und Mutter sein möchtest, dich um dein Zuhause kümmern möchtest und traditionelle Lebensweisen anstrebst, unter gehst.

Im Feminismus ist Platz für jede Frau - aber eine traditionell, typisch feminine Frau findet oft weniger Anhang.


Natürlich sehe ich immer mehr feministische Posts auf Instagram und Co., die auch ein traditionell feminines Bild darstellen, aber eher seltener.


Oft werden maskuline Energien im Feminismus eher gepriesen und deutlich dargestellt. Man soll sich hoch arbeiten, Karrierefrau sein, Machen, Tun, Herausforderungen annehmen.

Und wenn das diene Wahl ist: you go, girl!


Femininität geht auch mit Feminismus!


Ich persönlich liebe es ja, mich zu kümmern - sei es um mich selbst oder um andere oder meinen Haushalt. Ich liebe es, dafür zu sorgen, dass sich andere in meiner Gegenwart wohlfühlen. Ich liebe Weiblichkeit. Ich liebe meine femininen Energien! Traditionelle Lebensweisen finde ich ansprechend - sie geben mir ein Gefühl von Zuhause.


Bedeutet das, dass ich keine Feministin sein kann? Bedeutet das, dass ich mich ändern muss, wenn ich Feministin sein möchte? Muss ich eine große Karriere anstreben, darf nicht finanziell abhängig von meinem Mann sein, wenn ich feministische Werte vertrete? Ihr könnt es euch denken: Nein.


Denn Feminismus bedeutet, Frauen nicht die Möglichkeit abzunehmen, eine Wahl zu treffen.

Hier möchte ich den Personen, die ähnliche Wünsche und Vorstellungen haben, einen Raum geben.

Ich bin typisch feminin und ich weiß, dass ich wieder ein paar meiner maskulinen Energien auspacken muss, sobald der Zeitpunkt gekommen ist.

Jede Person, die allerdings denkt, es sei irgendwas falsch mit ihr oder ich fehle irgendwas, weil es ihr schwer fällt, ständig zu Tun und zu Machen (auch, wenn man als Hausfrau auch tut und macht, but you get the gyst), weil sie lieber Femininität, als Maskulinität ausleben möchte, darf sich hier wohlfühlen und sich mit mir auf diese Route begeben. Mit euch ist nichts falsch! Wir haben einfach alle ein individuelles Wohlfühlverständnis - und das ist gut so.


 

FEATURED IMAGE BY: Sarah Chai von Pexels

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