Die Intuition einer Mama

Hello, hello! Ich bin ganz frisch Mama geworden - also vor etwa einem Monat, um genau zu sein. Ganz klar, dass das für mich sehr viel verändert hat. Aber wisst ihr was sich vor allem geändert hat?


Wie mich andere Menschen sehen, wie ich mich selbst sehe und wie ich andere Menschen sehe.

Denn jeder will auf einmal irgendwas von mir. Jeder will mir erzählen, was am besten für mich und mein Kind - und manchmal auch für meine ganze Familie ist. Nervig! NERVIG!


Heute möchte ich also darüber schreiben, wie wichtig es ist, gerade als Mama auf seine Intuition zu hören und ihr wirklich zu glauben, auch, wenn Verwandte und Co. dir etwas anderes erzählen möchten.



Die Intuition - ich habe es schon öfter auf meinem Blog eingebracht: Sie ist meiner Meinung nach leider in unserer Generation viel zu sehr unterschätzt und auf sie wird auch leider viel zu wenig vertraut. Natürlich müssen bestimmte Dinge auch rational abgewogen werden, aber wann haben Menschen damit angefangen, Rationalität als die Eigenschaft schlechthin zu betrachten?


Wahrscheinlich wieder so ein Ding der schnelllebigen, auf Produktivität getrimmten Gesellschaft.


Gerade als Neumama ...


... finde ich es sehr erschreckend, wie sehr einfach wirklich JEDER ein Wörtchen mitzusprechen haben möchte, wenn es darum geht, wie ich mit meiner Tochter umgehe. Sei es, wie und wann ich sie wickle, wie ich sie halte, wie oft ich sie trage, dass sie mit mir im Bett schläft, dass ich aufstehe, sobald sie schreit, dass ich ihr mal ein Fläschchen geben muss, weil meine Milch nicht kommt, da ich erkältet bin, dass ich (um Gottes Willen) O-Saft oder Multivitaminsaft trinke (wegen des wunden Pos, was ja mittlerweile total überholt ist) und und und.


Es gibt wirklich einfach alles, was man falsch machen kann.

Wir wissen alle, das ist nicht wirklich so. Und klar bin ich genervt, wenn Schwiegermama beim Wickeln daneben steht, wie die Wickel Polizei und dann die Wickelschnalle nochmal neu zumacht, aber schließlich meinen die es ja nur gut oder?


Ich glaube auch. Ich glaube aber auch, dass es den Omis einfach schwerfällt, Verantwortung abzugeben und darauf zu vertrauen, dass die Generation, die sie großgezogen haben schon weiß, was sie tut.


Wie gehe ich also am besten damit um?


Kommunikation. Ich denke, es ist wichtig, in den Momenten, in denen man sich bevormundet fühlt, etwas zu sagen. Ich habe mir zum Beispiel fest vorgenommen, meine Tochter in Zukunft gezielt alleine zu wickeln - das bedeutet unter Umständen auch, dass ich die Omi wegschicken muss oder ihr einfach sagen muss, dass ich nicht möchte, dass sie ihre Finger mit im Spiel hat

Das kann man freundlich, aber bestimmt tun: "Omi, ich würde mich darüber freuen, wenn du nicht eingreifen würdest, wenn ich mein Kind wickle."


Je nachdem kann es auch sein, dass das erst einmal zur Diskussion führt, aber ich finde es wichtig, der Person dann auch klar zu machen, dass man das nicht als Angriff meint, sondern sich einfach dabei bemuttert fühlt.


Manchmal erwischt man sich aber doch dabei, wie man an sich zweifelt


Ist es wirklich so gut, die kleine Maus mit im Ehebett schlafen zu lassen? Schließlich sagen Omis und Opis was anderes und die haben das ja schon ein paar mal durch...

Was, wenn sie später wirklich Probleme hat, im eigenen Bett zu schlafen?



Hier ein kurzer Exkurs:


co-sleeping [E, = zusammen schlafen], gemeinsames, körperlich nahes Zusammenliegen während der Schlafperiode von Eltern und Kind; ein stammesgeschichtlich ursprüngliches Verhaltensmuster, das heute noch in traditionalen Gesellschaften die Regel ist, in westlichen Kulturen allerdings nur noch selten praktiziert wird. Durch co-sleeping wird z.B. die enge Rhythmuskoppelung bezüglich Schlaf-Wach-Phasen bzw. des Erregungszustands von Mutter und Kind erleichtert. Der Austausch gegenseitiger sensorischer Stimuli wird gefördert und die Überwachung des Säuglings und damit dessen Schutz erhöht. Es gibt Hinweise darauf, daß durch die Beeinflussung des Schlafprofils des Säuglings, durch passiven oder aktiven Körperkontakt der Mutter, der Säugling häufiger von einem Schlafstadium ins andere wechselt, weniger Zeit im Tiefschlaf verbringt, häufiger kurzzeitig aufwacht und damit insgesamt die Gefahr des plötzlichen Kindstods merklich verringert wird. - co-sleeping - Lexikon der Neurowissenschaft (spektrum.de)

Außerdem gehen Pädagogen und Psychologen mittlerweile davon aus, dass Kinder, die im Bett der Eltern schlafen, später selbstständiger sind. So.


Aber auch unsere Urinstinkte sagen uns Mamas, dass wir unserem Kind ganz nah sein wollen, es bei uns im Bett haben wollen, um auf es aufzupassen. Nicht selten landet meine Hand automatisch auf dem Brustkorb meiner Tochter, einfach nur, weil ich sie dann atmen spüre.


Und die Informationen, die ich habe, sagen mir ja klar und deutlich: Du handelst schon richtig.


Ich handle dabei ganz intuitiv, ohne nachzudenken darüber, ob andere das vielleicht als Helikopterverhalten abstempeln würden.


Als Mamas lassen wir uns gerne etwas von anderen erzählen, weil wir denken, dass mehr Erfahrung gleich mehr Ahnung heißt. Aber das stimmt so nicht. Heute steht uns die ganze Welt des Wissens zur Verfügung und wie alles im Leben, in der Wirtschaft und in der Technik fortschrittlicher wird, so entwickelt sich auch die Pädagogik weiter.

Wir bewegen uns immer mehr zurück in Richtung Ursprünglichkeit, Liebe und Geborgenheit - weil, let's be real, wenn man sich so umguckt, hat es niemandem etwas gebracht, so früh wie möglich auch mal schreien gelassen zu werden.


Ich weiß ganz tief in mir, dass ich mich genügend informiert habe, um genug Rationalität in mein Verhalten zu mixen, dass es ausreicht. Und in meinem Herzen weiß ich, dass ich schon alles richtig mache, wenn es sich richtig anfühlt. Ich vermisse meine Tochter, wenn sie nicht bei mir liegt - und das ist gut so. Ich fühle mich schlecht, wenn ich nicht für sie da bin, wenn sie anfängt, zu weinen & deshalb gehe ich zu ihr, weil das für mich das richtige ist.

So können wir anfangen, als Mamas auf unsere Intuition zu vertrauen, denn das ist wahrscheinlich das Schwierigste an der ganzen Sache


Es ist ja nicht so, dass wir unsere Intuition nicht wahrnehmen. Sie löst in bestimmten Situationen bestimmte Gefühle in uns aus, die mit uns kommunizieren und von uns ein bestimmtes Verhalten fordern. Dann kommt entweder der eigene Kopf dazwischen oder die Stimme der Mutter, die einem immer noch sagt, was das beste für dich und dein Kind ist.


Ziel ist es also, die Forderungen der Intuition abzufangen, bevor sich die gemeinen Stimmen einschleichen.

Wir müssen also einfach ja zu unseren Gefühlen sagen.


1// Mach einfach

Damit meine ich, einfach aufzustehen und zu deinem meckernden, schreienden oder quengelnden Kind zu gehen, wenn du am liebsten einfach aufstehen und genau das tun würdest. Hör auf dich!


2// Sei deine beste Freundin

Welchen Rat würdest du deiner besten Freundin geben, wenn sie die fragen würde, was sie nun machen sollte? Gib dir selbst diesen Rat. Manchmal distanzieren wir uns zu sehr von uns selbst. Wir nehmen das nicht an, was wir uns selbst schon mitteilen.


3// Sei dir sicher und entscheide dich

Nein, wir müssen nicht nie wieder auf unsere Mamas hören, wenn sie uns sagen 'vertrau mir'. Und klar können wir auch noch gut gemeinte Ratschläge von ihnen annehmen. Aber wenn das, wofür wir uns in unserem Verhalten und unserer Erziehung entschieden haben mit dem kollabiert, was andere uns mitteilen und in uns so ne Art Bauchweh auslöst, dann ist es vollkommen in Ordnung und auch sehr wichtig für unser Kind, nein zu sagen.

Wenn dir ein Gefühl sagt 'ja, so mache ich das', dann hast du dich entschieden. Stehe zu deiner Entscheidung.


4// Wenn du einen Partner oder eine Partnerin hast, dann agiere im Team mit ihm/ihr

Mit meinem Mann bespreche ich regelmäßig ganz klar, was meine Ziele bezüglich unserer Tochter sind. Zum Beispiel ist es mir wichtig, dass sie weltoffen wird, dass sie auf ihre Gefühle vertrauen kann und weiß, dass wir immer für sie da sind - dass sie nie alleine ist.

Für ihn sind Dinge wie Naturverbundenheit und auch soziale Stärke sehr wichtig.

Nur das, was ihr euch als Eltern ausdenkt, was für euer Kind wichtig sein soll, ist auch wichtig. Beziehe deinen Partner mit ein, wenn du dir wieder Gedanken machst, ob du das richtige tust oder nicht.


5// Etwas noch nicht zu wissen, ist auch okay

Es ist auch in Ordnung, sein eigenes Verhalten und seine eigenen Ideen zu hinterfragen. Vielleicht bist du dir in irgendetwas noch nicht sicher und deine Intuition teilt dir irgendwie auch das mit. Sie sagt dir 'hey, wir kennen da eine Richtung, aber da brauchen wir einfach noch mehr Erfahrung'. Dann kannst du zb um Rat fragen oder einfach abwarten, bis für dich der Klick Moment kommt. Eltern sein ist ganz viel ausprobieren und auch das stärkt unsere Intuition. Etwas auszuprobieren und dann zu erkennen, dass es nicht so gut klappt, wie man vielleicht gedacht hätte, sorgt nur dafür, dass wir uns in uns sicherer werden.

 

Unsere Intuition kommt nicht von irgendwo her. Sie wird belächelt und nicht geschätzt - meist liegt das das daran, dass mittlerweile alles bewiesen sein muss und schwarz auf weiß stehend existieren soll, damit Leute sich glauben. Wir leben in einer Welt, in der alles beweisbar sein soll. Aber unsere Intuition existiert nur in uns. Bedeutet das, dass sie deshalb nicht wahr ist? Ich denke nicht. Menschen haben für eine unheimlich lange Zeit ihre Kinder intuitiv groß gezogen - und in Urvölkern tun sie dies immer noch.


Vertraut euch, Mamis!

Liebste Grüße, Julia.

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